Es gibt die Freaks, es gibt die Styler und es gibt die Poser. In jeder Lebenslage! Auch in der einspurigen Welt ist das nicht anders. Die Motorradwelt hat in den letzten Jahren umfangreich auf diverse dieser Lifestyle-Trends reagiert, speziell die Retroschienen erfreuen sich unbändiger Beliebtheit bei Jung und Alt. Aus Bayern kam anlässlich der 90. Geburtstages von BMW Motorrad ein Highend-Retroeisen namens R nineT auf den Markt, mit dem BMW zunächst vor allem Markenliebhaber mehr als zufrieden stellte. Es war klar, dass es nicht bei diesem einen Modell bleiben wird und so brachte BMW im Vorhjahr bekanntlich eine Scrambler-Version der R nineT auf den Markt und schenkt uns heuer, nebst R nineT Pure und R nineT Urban G/S ein weiteres ganz besonders aufregendes Derivat, das auf den Namen R nineT Racer hört.

Spätestens jetzt schlägt man das erste Mal die Hände über dem Kopf zusammen, denn ehrlicherweise sei festgehalten, dass eine sogenannte „Racer“-Version in der Retrowelt meist aus ein paar netten optischen Änderungen zum Basismodell und vielleicht einer fetteren Auspuffanlage besteht. Gerade die sonst so auf Kompromiss bedachten Bayern, gehen aber in dieser Disziplin andere Wege, als erwartet. Denn die neue R nineT Racer ist tatsächlich nichts für reine Optikfraktion, die auf ein bisserl Bling Bling steht. Die neue Racer wird tatsächlich ihrem Namen gerecht, denn sie ist ein Motorrad, mit dem Du dich arrangieren musst. Einfach aufsteigen, losfahren und dahingurken, das spielt’s mit der neuen Racer nicht. Kurze Lenkerstummel, kürzerer Radstand, geringere Nachlauf und ein flacherer Lenkkopfwinkel zwingen dich samt entsprechen positionierten Fußrasten in eine sportliche Sitzposition.

Egal ob Du das willst oder nicht! Die Racer bringt dir das schon bei. Entsprechend hoch ist der Druck auf Handgelenke und Schulterbereich, man duckt sich automatisch unter den Miniwindschutz hinter der Retro-Racing-Maske. Will man in die Kurve einschauen oder weiter vorausblicken, muss der Kopf in den Nacken. Ein ausgiebiges und umfangreiches Mittagessen empfiehlt sich ob dieser Sitzposition nicht wirklich und eine Bierplautze drückt einem das Magerl durchaus Richtung Zwerchfell.

Doch damit nicht genug, denn die neue R nineT Racer gibt sich nicht nur sportlich in Optik und Sitzposition, sondern auch was die Fahrleistungen und das Handling betrifft. Der hochstabile Rahmen lässt das Bike bei forscher Gangart stoisch auf Kurs bleiben, der kürzere Radstand macht die Racer äußerst wendig und agil auch in schnellen Kurvenwechsel. Dank der Sitzposition ist man ohnehin immer habt-acht, in Sachen Schräglage spielt sie alle Blödheiten mit, es bliebe die Frage was zuerst aufsetzt: Der Knieschleifer, der Angstnippel der Fußraste oder die Zylinderkopfabdeckung. Das Fahrwerk interessiert das rein gar nicht. Man kann holzen was das Zeug hält und ist dank der puren Leistungsentfaltung des 110 PS starken Boxers, der noch dazu bis zu 116 Nm Drehmoment rausrückt, auch wettbewerbsfähig bei der jungen Nackt- und Sportfraktion.

Nur dass man auf der R nineT Racer eben auch noch wesentlich besser aussieht! Besonders beeindruckend ist außerdem das Soundmanagement, das BMW der Racer zukommen ließ. Denn auf dem Bike hört man es brabbeln und gluckern und grunzen, dass es eine Freude ist. Auch die Lautstärke unterm Helm lässt einen jauchzen. Für den kritischen Passanten, oder die uniformierte Zeitnehmung gibt sich die Racer aus ein paar Metern Entfernung zwar durchaus guttural brabbelnd, aber überhaupt nicht anstrengend oder unangenehm.

Wem die Racer ab Werk noch nicht individuell genug ist, dem bietet der Zubehörkatalog von BMW zahlreiche Möglichkeiten zum Geldausgeben. Der Retro-Racerspaß beginnt bei 15.900 Euro.

BMW R nineT Racer 2 Zylinder-Boxermotor 1170 ccm 110PS 116 Nm Sitzhöhe 785 Gewicht fahrfertig 219kg Federweg vorne / hinten 125 mm / 120 mm Radstand 1.491 mm Nachlauf 103,9 mm Lenkkopfwinkel 63,6 ° Sitzhöhe: 805 mm Tankinhalt 17l Preis: 15.900 (ABS serienmäßig)

www.bmw-motorrad.at

Text: Greg JOSEL Fotos: Michael ALSCHNER

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